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Emilio Salgari

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Lebensbeschreibung       Werkverzeichnis       Bibliographie       Siwinna-Ausgabe       bis 1913

[1] Emilio Salgari trägt den Beinamen "der italienische Karl May". Neben seinem Erfolg, er gehört weltweit zu den meistübersetzten Schriftstellern, gibt es zumindest eine weitere Übereinstimmung mit Karl May - die Legende seiner Reisen. Sie wurde von ihm selbst in die Welt gesetzt und genährt und hat sich bis heute gehalten, so finden sich z.B. in Texten von Antiquariaten immer noch folgende Angaben "dann fuhr er als einfacher Matrose zur See. Er brachte es bis zum Kapitän und lernte fast die ganze Welt kennen". Die deutsche Grundlage für diese Legende war wohl die »Lebensbeschreibung« seines Übersetzers Prof. Wihlfahrt, die dann sicher auch für einen Artikel in der "Neuen Züricher Zeitung" im Jahre 1929 benutzt wurde:

    ... Emilio Salgari war in seiner Jugend Kapitän zur See und hatte während seiner langen Reisen Gelegenheit, fremde Erdteile nicht nur zu suchen und äußerlich kennenzulernen, sondern sie zu erleben und sich in ihre Seele zutiefst einzuführen. ...

Tatsache ist, dass er von 1878 bis 1881 am Königlich Nautischen Institut in Venedig studierte um Kapitän zu werden, dass er bei der ersten Prüfung durchgefallen und zum zweiten Termin nicht mehr erschienen ist. Stattdessen heuerte er als Schiffsjunge an Bord der "Italia Una" an, verließ in Brindisi das Schiff und fuhr mit der Eisenbahn zurück nach Verona. Soweit bekannt ist, hat er Italien nie verlassen.

Emilio Salgari wird am 21. August 1862 in Verona geboren. Sein Vater ist Tuchhändler. Die Oberschule kann er wegen schlechter Noten nicht zu Ende bringen. Er studiert aber eifrig Abenteuerromane und veröffentlicht schon 1883, zwei Jahre nach seiner mißglückten Weltreise, im Alter von 21 Jahren seine erste Erzählung (Il Selvaggi della Papuasia) in der Mailänder Zeitung "La Valigia". Es folgt in 150 Fortsetzungen der erste Sandokan-Roman (La Tigre della Malesia) in der Turiner Zeitung "Nuova Arena". Er wird Redakteur der Tageszeitung "L`Arena" in Verona und lässt sich mit dem Titel "Kapitän" anreden. 1884 erscheint in Mailand das erste Buch (La Favorita del Mahdi). 1892 heiratet er die 25jährige Ida Peruzzi, die er "Aida" nennt. Die Tochter Fatima wird geboren und dann bis 1900 die Söhne Nadir, Romero und Omar, alle nach Figuren seiner Romane benannt. Er schreibt unermüdlich, der Erfolg wird immer größer. 1897 erhält er den Titel "Cavaliere" und von der italienischen Königin Margeritha persönlich einen Brief.
Die Familie zieht ständig um, zuerst nach Mailand, dann nach Turin, nach Sampierdarena bei Genua, nach Madonna di Campiglio bei Turin. Salgari raucht 100 Zigaretten am Tag und obwohl er unaufhörlich einen Roman nach dem anderen fertigstellt hat er noch Zeit für die Familie und für Studien in den Bibliotheken. 1909 fürchtet er sein Augenlicht zu verlieren und seine Frau zeigt erste Anzeichen von Geisteskrankheit. Nachdem die geliebte Aida 1910 in eine Heilanstalt eingeliefert wird, unternimmt er einen Selbstmordversuch, wird aber gerettet. Am 25. April 1911 bringt er sich dann mit einem Rasiermesser um.

Emilio Salgari produzierte in 28 Jahren ein Werk von über 90 Romanen und Erzählungen. In 11 Romanen ist Sandokan (ein indischer Fürstensohn, der sich an den Engländern rächen will, weil diese seine Familie ausgerottet haben) der Held. In dem ständigen Begleiter Sandokans, dem Portugiesen und Kettenraucher Yanez, hat Salgari sich selbst dargestellt.
In 2 der 5 Romane der Antillen-Reihe ist der Schwarze Korsar, neben Sandokan die bekannteste Romanfigur Salgaris, den ein ähnliches Schicksal wie Sandokan umtreibt, die Hauptfigur. 3 Romane bilden den "Bermuda-Zyklus", 16 spielen in Afrika, 7 in den kalten Gefilden der Arktis und Antarktis, 3 im "Far West", 18 weitere in allen anderen Weltteilen.

So groß sein Erfolg in Italien aber auch war, so wenig konnte er sich in Deutschland (oder überhaupt außerhalb der romanischen Länder) durchsetzen. Nur sieben seiner Titel wurden zeitnah ins Deutsche übersetzt.
Außerhalb Italiens bekannt geworden ist er vor allem durch die zahlreichen Verfilmungen seiner Romane. Als Darsteller haben unter vielen anderen Lex Barker, Senta Berger, Klaus Kinsky, Pierre Brasseur, Daniel Gélin, Richard Harrison und Kabir Bedi mitgewirkt.

Die "Neue Züricher Zeitung" schreibt 1929 über sein Werk:

    ... Es ist nicht bekannt, wann er die Berufung zum schöpferischen Ausdruck empfand und in die Tat umsetzte: Schriftstellerische Versuche und Talentproben kennt man von Salgari nicht. Plötzlich stand er da, mit einem reifen Werk, und von Jahr zu Jahr wuchs dieses Werk in steter Folge an. Neunzig Abenteuerromane, die durchaus gleichwertig auf derselben schriftstellerischen Höhe stehen und über die landläufige Schilderungskunst weit hausragen und deren Auflagen man nicht zählen kann, sind von ihm im italienischen Buchhandel erschienen. Sein Gesamtwerkt ist der Mythos des abenteuerlichen Erlebens, der romantischen Wanderfahrten in die weite Welt, der Mythos jugendlich - naturhafter Kampfesfreude, frischen Draufgängertums, fröhlicher Erkenntnis. Er erschließt dem jugendlichen Blick und Herzen jene Paradieseswelt der Instinkte, in der die Leidenschaften noch nicht erwacht sind, eine unvergleichliche Welt des Überschwangs, der Phantasie und der männlichen Gefühle, mag er nun den Leser auf alten Spuren in den Wilden Westen führen, ihm die Mysterien des Wunderlandes Indien weisen, oder neue Wege bahnen in die Antarktis und zu den Exoten. Von der älteren Schule der Jugendschriftsteller unterscheidet er sich darin, daß er nicht, wie zum Beispiel Jues Verne, die im Instrumentalen, also in der Erfindung beschlossene Abenteuerlichkeit und Erelbnisfülle zum literarischen Ausdruck bringt, sondern nur das Entdeckerische gestaltet, die Sehnsucht nach dem Unbekannten und der Ferne, den Rausch des Fremdländischen, Geheimnisvollen und Gefährlichen. Darin ist er mit Karl May wesensverwandt, so daß man ihn als den "italienischen Karl May" bezeichnen könnte.

[ 1 ]
Verwendet wurde:
Hansotto Hatzig: Salgari-Biographie
in:
Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur

u.a.

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